Argentinien

Tag 340

Las Flores

KM 51115

Von San Pedro de Atacama fahren wir über den Paso de Jama nach Argentinien. Es geht an der Grenzstation vorbei, an der wir eingereist sind, und fahren somit wieder hoch auf 4600 m. Die Landschaft ist Mal wieder super, die Höhe macht den Motorrädern jedoch Probleme. In einem kurzen Abschnitt haben wir alle gleichzeitig Leistungsverlust, bis wir wieder an eine ebene Stelle kommen.

Die Einreise nach Argentinien ist kein Problem. Wir haben nur Pech gleichzeitig mit einem Reisebus abgefertigt zu werden und müssen so etwas länger warten.

In Susques fahren wir zuerst zum Geldautomaten und besorgen uns Bargeld. Dann checken wir schon in ein Hotel ein und lassen es uns mit unserem ersten argentinischen Abendessen gut gehen.

Der Weg nach Salta am Tag darauf führt uns erst über gerade Strecken und durch eine kleine Salzwüste und dann über Hügel und vorbei an farbigen Bergen.

Die letzten 30 Kilometer bis nach Salta fahren wir über eine extrem schmale (4m) und kurvige Straße. In jeder Linkskurve hat man Angst, dass der Gegenverkehr einem ins Gesicht fährt. Aber die Strecke ist einzigartig und macht unglaublich Spaß.

GoPro Video (Rohmaterial):

In Salta gehen wir wieder Steak essen und übernachten in einem Hostel. Da es jedoch am nächsten Tag regnet, entscheiden wir uns einen Tag länger zu bleiben.

Morgens gehen wir die obligatorische Haftpflichtversicherung besorgen. Nach zwei Stunden Dokumente ausfüllen, bekommen wir im Versicherungsbüro einen Versicherungsnachweis, der jedoch erst gültig ist, sobald wir ihn in einem speziellen Laden bezahlt haben.

Diese Läden sind jedoch immer sehr gut besucht, da viele Unternehmen diese sichere Bezahlungsmethode benutzen, um nicht persönlich das Bargeld einnehmen und verwalten zu müssen. Wir schieben die Bezahlung erstmal auf den nächsten Tag. Jesse, Alex und Jörn bezahlen es dann auch, ich bin jedoch zu faul und zu geizig, für die acht Tage, die ich noch in Argentinien bin, 20€ für die Versicherung zu bezahlen. Die anderen Drei bleiben länger in Argentinien und so macht es für sie mehr Sinn.

Danach verlassen wir Salta und fahren durch ein unglaubliches Tal am Rio Las Conchas Richtung Süden. Man schaut nach links und rechts und staunt immer wieder über diese spektakuläre Landschaft.

Aber hier kommt auf 50 Kilometer schöner kurvige Strecke circa 100 km an gerader Straße durch weite Ebenen. So genießen wir die Berge und warten auf den Geraden wieder auf die nächste Bergkette.

GoPro Video von Jörn (Rohmaterial):

Am nächsten Tag müssen wir sogar 300 km gerade Straßen von Belén bis zum Fluss Miranda fahren, bis es für 30km kurvig durch die Berge geht.

Hier machen wir eine schöne Mittagspause und fahren dann nach Villa Unión.

Vor Villa Unión hatten wir eine Abkürzung zum Nationalpark Talampaya genommen, doch da die letzte Tankstelle vor dem Nationalpark kein Benzin mehr hatte, mussten wir wieder 30 km zurück in die nächste Stadt, damit wir im Nationalpark nicht in Probleme geraten.

Der Nationalpark bietet jedoch wieder nur gerade Strecken. Wir hatten uns aber auch dagegen entschieden in den Provincial Ischigualasto Park zu gehen, um Dinosaurier Fossilien zu sehen.

Wir fahren weiter über San Juan und dann über kleinere Straßen zum Stausee Cuesta del Viento, der so extrem windig ist, dass Jörn bei einem Aussichtspunkt das Gleichgewicht verliert und fällt. Kein Wunder, dass dieser Ort unter Windsurfern beliebt ist.

Dann fahren wir weiter zu unserem Tagesziel Las Flores, ein kleiner Ort mit mehreren Unterkünften an einer herbstlichen Landstraße. Während die anderen ins Hotel einchecken, fahre ich noch einmal los, um Fotos von einer schönen Allee zu machen. Diese Fotos sollten mir aber später zusammen mit meinem Handy geklaut werden und so habe ich sie nun leider nicht mehr. Danach bin ich dann noch kurz zur Tankstelle gefahren, um meinen Reifendruck zu prüfen. Was nicht ganz so verlief, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Laguna Route

Tag 334

San Pedro de Atacama

KM 49432

Die Laguna Route ist eine Strecke im Südwesten von Bolivien, die ohne befestigte Straßen durch schwieriges Terrain mit vielen Lagunen und atemberaubender Landschaft führt. Es gibt geführte Touren in Jeeps von Uyuni und San Pedro de Atacama. Die Touren dauern meist zwei bis drei Tage mit Übernachtungen in den wenigen Hosteln auf dem Weg.

Wir haben uns entschieden der grünen Route auf folgender Karte zu folgen.

Quelle: http://amsterdamtoanywhere.nl/en/overlander-info/lagunas-route-north-to-south/

Von Uyuni fahren wir nach San Christobal und tanken noch einmal voll. Die nächste Tankstelle ist erst in San Pedro de Atacama, 343km entfernt. Für diese Strecke haben wir alle einen zusätzlichen 5 Liter Kanister an Benzin dabei, damit wir nicht in irgendwelche Probleme geraten. Meine Reichweite liegt ohne Reservekanister bei 330 – 400 km je nach Fahrweise und Terrain.

90 km von Uyuni bis San Christobal, dann weitere 100 km bis wir nach Süden abbiegen und der Asphalt endet. Hier beginnt der spannende Teil. Bereits der Anfang ist sehr sandig und kurze Zeit später steinig.

Wir fahren an der Laguna Cañapa

Und der Laguna Heidonda vorbei.

Alex stürzt zwei Mal auf dem sandigen Weg und hat einen Platten, als wir an der Stelle ankommen, an der wir campen wollen.

Der erste Tag zeigt uns bereits, dass die Strecke nicht ohne ist und die Berichte von Bart nicht übertrieben waren.

Wir stellen unsere Motorräder in einer Reihe auf, um unsere Zelte ein wenig vor dem Wind zu schützen, schlagen unser Camp auf und fangen dann an zu kochen. Es gibt wie immer Gemüsesuppe mit Nudeln. Während Alex und ich kochen, bereiten Jörn und Jesse das Lagerfeuer vor.

Nachdem die Sonne untergegangen ist, wird es schnell kalt, doch die Suppe und das Lagerfeuer helfen, es auszuhalten.

Wir bleiben bis 23 Uhr wach und bewundern den Sternenhimmel. Man kann das Kreuz des Südens sehen, welches man nur in Äquatornähe oder der Südhalbkugel beobachten kann.

Die Nacht wird wie erwartet sehr kalt: – 11°C. Es gibt Kaffee zum Frühstück und dann machen wir uns daran, Alex’s Reifen zu reparieren. Der Reparaturschaum, den Alex am Abend zuvor in den Schlauch gefüllt hat, hat nicht funktioniert. Also wechseln wir den Schlauch. Das ganze dauert knapp zwei Stunden, aber wir schaffen es.

Es geht weiter über schwieriges Terrain. Waschbrett, Sand, Steine, Waschbrett und Sand gleichzeitig, sodass man nur eine minimale Spur zum Fahren hat und bei der kleinsten Abweichung aufpassen muss, nicht zu fallen. Zwei Mal habe ich dabei nicht Erfolg.

Auf dem Weg treffen wir immer wieder Jeeps, die mit unglaublicher Geschwindigkeit an uns vorbei fahren. Zum Glück gibt es in dieser Landschaft immer zahlreiche Fahrspuren, auf denen man fahren kann.

Das Motorrad rüttelt durch den unebenen Untergrund ständig und so verliere ich beinahe meinen Kettenschutz, der an einer Stelle gebrochen ist. Jesse trifft es aber noch schlimmer. Seine Kofferhalterung hält den hundert Kilometern Waschbrett nicht stand und bricht an mehreren Stellen. Wir fixen es zeitweise mit mehreren Spanngurten und fahren weiter zur Laguna Colorada.

Wir entscheiden uns heute Nacht für ein Hostel, da wir nach der letzten Nacht und dem anstrengenden Tag keine Lust auf zelten haben. Wir kratzen unser letztes bolivianisches Geld zusammen und bezahlen den Rest mit US Dollar.

Am Hostel treffen wir auf Michael aus Polen, der aktuell alleine unterwegs ist.

Am Morgen fahren wir alle gemeinsam los, nachdem wir Michael’s Motorrad nach Startschwierigkeiten anschieben mussten.

Wir treffen nach ein paar Kilometern auf einen Radfahrer aus Spanien und sind verblüfft, wie lässig er diese Strecke alleine wagt. In den letzten zweieinhalb Tagen ist er die 155km von San Pedro de Atacama gefahren. 280 km hat er also noch bis Uyuni vor sich. Dazu gehört wirklich was! Da sehen wir auf unseren Motorrädern aus wie Luxustouristen.

Die Landschaft ist offen und weit. Die Straße besteht weiterhin aus Steinen, Sand und Washboard. Jesse’s Kofferhalterung muss ein weiteres Mal repariert werden.

Nachdem wir weitere Spanngurte angebracht haben, machen wir eine Pause an einer heißen Quelle. Hier fließt direkt neben einer Lagune heißes Wasser in einen großen Pool.

Das Wasser ist warm und erfrischend. Wir sind alleine dort, bis nach einiger Zeit zwei Amerikaner hinzu kommen, die in einem Truck reisen. Wir bleiben circa eine halbe Stunde, bis wir von einem Parkranger verscheucht werden, der sagt, dass die Quelle auf Grund der Nähe zur Lagune nicht mehr besucht werden darf. Naja, zumindest schön, dass Naturschutz an manchen Orten doch noch durchgesetzt wird.

Wir fahren also weiter zur letzten Sehenswürdigkeit: Laguna Verde und Laguna Blanca.

Dann fahren wir zur Grenze und reisen aus Bolivien aus. Doch, wie wir bereits wussten, hat Michael sein Visa und seine Import-Erlaubnis um drei Tage überzogen, da er auf der Salar einen Unfall hatte (passiert öfter, als man denken würde) und daraufhin ins Krankenhaus und auf Ersatzteile warten musste. Er verstrickt sich also in eine längere Diskussion mit dem Grenzbeamten. Wir entscheiden uns mittlerweile schon weiter zu fahren und ihn dann auf der chilenischen Seite wiederzutreffen.

Für uns funktioniert die Ausreise ohne Probleme. Bei der Einreise nach Chile muss jedoch das Motorrad wieder importiert werden und danach werden alle Motorräder und unser Gepäck durchsucht.

Chile erlaubt es nicht, frische Lebensmittel ins Land zu bringen. Sie nehmen uns Kartoffeln, Karotten, Brokkoli, Äpfel und Honig ab. Das ganze Prozedere dauert eineinhalb Stunden und wir warten immer noch auf Michael.

Möglicherweise ist ihm zwischen den beiden Grenzstationen der Sprit ausgegangen. Es ist bereits 17 Uhr und mittlerweile sind wir nicht mehr so sicher, ob Michael die Probleme mit dem bolivianischen Grenzbeamten lösen konnte. Wir sind bereits in Chile und noch einmal auszureisen, macht keinen sind. Wir können also nichts weiter tun und fahren nach San Pedro de Atacama bevor es dunkel wird.

Von kalten 4600m ü. NN an der Grenze fahren wir in einer halben Stunde ins warme San Pedro de Atacama auf 2400m ü. NN.

Wir checken in ein Hostel ein und erfahren, dass Michael es ein wenig später auch geschafft hat und dass er sich genau so schlecht gefühlt hat, uns warten zu lassen, wie wir uns gefühlt haben, als wir ohne ihn weiter gefahren sind. An der bolivianischen Grenze hat er noch von einer nahegelegenen Baustelle Benzin gekauft und ist dann weiter gefahren. Der Grenzbeamte hat ihm letztendlich sein Visa verlängert und dann einfach ausreisen lassen. Ob jedoch sein Motorrad jemals nach Bolivien zurück darf, ist nicht sicher.

Das waren drei anstrengende Tage für uns und für unsere Motorräder. Hier in San Pedro bleiben wir erstmal für zwei Nächte, um wieder Kraft zu schöpfen und die Motorräder zu warten. Dann geht es nach Argentinien!

Uyuni

Uyuni

Tag 331

KM 49000

Nach La Paz fahren wir zu viert Richtung Uyuni. Den ersten Zwischenstopp machen wir in Oruro. Der Weg dorthin war unspektakulär, die Straße ist weitestgehend gerade und die Landschaft flach, aber zumindest sind wir in La Paz noch gerade einem Gewitter entkommen.

Danach geht es dann direkt nach Uyuni. Wir haben uns für den direkten Weg von La Paz nach Uyuni entschieden, um Zeit zu sparen. Sucre, Potosi und den Ort, an dem Che Guevara hingerichtet wurde, lassen wir somit aus.

In Uyuni fahren wir als aller erstes zur berühmten Salzebene Salar de Uyuni. Am Rande der Ebene und in anderen Bereichen ist sie aber noch sehr nass und wir möchten keine Elektronikprobleme durch das Salzwasser riskieren. Somit fahren wir nicht zum berühmten Salzhotel oder anderen interessanten Punkten auf der Salar. Wir bleiben also am Rande stehen, bestaunen die weite Fläche an Salz und machen ein paar schöne Fotos.

Danach checken wir in unser Hostel ein und fahren dann zum Sonnenuntergang zum Zug-Friedhof am Rande der Stadt. Wir erkunden die, vor Jahrzehnten verlassenen, Lokomotiven und Wagons. Es ist nicht so beeindruckend, wie gedacht, doch die Fotos werden gut und wir haben unseren Spaß.

Am nächsten Tag besorgen wir uns jeder einen Benzinkanister für die ausgiebige Strecke, die wir nach Uyuni geplant haben. Auf dem Rückweg zum Hostel treffen wir dann auf ein junges Mädchen auf einem viel zu großen Fahrrad. Sie kann nur im Stehen fahren und verliert aus ihrer Plastiktüte ein paar Kartoffeln. Wir heben die Kartoffeln auf, rufen ihr hinterher und geben sie ihr zurück. Es ist erstaunlich, dass sie überhaupt anhalten kann, ohne umzufallen. Doch als sie wieder los fährt, fallen fast alle Kartoffeln aus einem Loch in ihrer Plastiktüte. Wir heben schnell eine andere Tüte für sie auf und füllen die Kartoffeln dort hinein. Und wie ich es genau in dem Moment schon vorhersage, lässt sie ihre alte Tüte unbedacht auf den Boden fallen. Das Bewusstsein für Umweltschutz und verantwortlichen Umgang mit Müll ist hier einfach noch nicht angekommen. Jörn gibt ihr zum Abschluss ein bisschen Schwung für die Weiterfahrt.

Für den Abend haben wir eine Tour auf die Solar gebucht. Mit dem ersten Jeep kommen wir nicht mal einen Kilometer weit, bis er liegen bleibt. Doch Ersatz ist schnell besorgt und so bringt uns unser Guide Juan Carlos zum Sonnenuntergang auf die Salzebene. Im nassen Bereich wird alles gespiegelt. Es ist unwirklich.

Wir fahren so weit ins Nasse, bis der Boden nicht mehr zu sehen ist. Das Wasser ist hier circa 4cm tief und recht kalt. Der Boden ist sehr scharf durch das Salz. Wir behalten also unsere Schuhe an, da es in unserer Größe anscheinend keine Gummistiefel gibt. Hier verbringen wir einige Zeit und machen ein paar Fotos.

Alex links, Jörn rechts

Jesse in Jesus-Pose

Danach fahren wir wieder in den trockenen Bereich und machen Fotos mit Lichtspielen. Doch die Bilder werden nicht so gut, da sie alle unscharf sind. Da hatten wir uns eigentlich ein wenig mehr erwartet. Darum habe ich mir die Fotos nicht abgespeichert.

Aber die Bilder, die Alex später mit seiner Kamera macht, sind echt gut geworden. Mittlerweile ist es aber super kalt und so genieße ich die Aussicht aus dem Jeep heraus.

Jesse im Sternenhimmel

An unserem letzten Tag in Uyuni kaufen wir Verpflegung für unsere Fahrt zur Laguna Route ein und treffen danach vor einem Café auf das Motorrad von Bart. Ich hatte Bart in Ulaanbaatar kennengelernt und bin mit ihm den letzten Tag bis nach Wladiwostok gefahren. Wir waren in der Zwischenzeit immer in Kontakt, als er durch Japan gefahren ist und danach von Chile seinen Weg nach Norden gestartet ist. Das Treffen ist also nicht ganz zufällig. Wir sind sogar extra einen Tag länger in Uyuni geblieben damit wir uns wiedersehen können. Wir gehen ins Café und unterhalten uns über unsere jeweiligen Erlebnisse seit Wladiwostok und über die Laguna Route, die er gerade zurückgelegt hat. Er checkt in unser Hostel ein und zusammen mit den anderen gehen wir abends essen. Wir sind eine Gruppe voller Gleichgesinnter mit vielen Geschichten und Erlebnissen.

Leider habe ich von unserem Treffen kein Foto gemacht.

Mit Bart in Wladiwostok

Und am nächsten Tag verabschieden wir uns von Bart und machen uns selbst auf den Weg zur Laguna Route. Das sollte interessant werden…

Bolivien

La Paz

Tag 327

KM 48410

Kurz vor der Grenze geben wir noch all unsere peruanischen Münzen an einem Kiosk aus und beginnen dann das gängige Prozedere, um Peru zu verlassen und nach Bolivien einzureisen. Unser erster Stopp ist Copacabana am Titicacasee, wo wir Geld vom Geldautomaten abheben und dann zu Mittag essen. Hier treffen wir auch zufällig wieder auf Jörn, der hier noch einen Tag bleibt, bevor er so wie wir nach La Paz fährt. Der Weg nach La Paz ist erst schön und kurvig und endet dann am See. Hier müssen wir eine „Fähre“ zur anderen Seite nehmen. Die Fähre ist eine schwimmende Plattform mit Bootsmotor und wird von einem jungen Burschen bedient. Es gibt viele solcher Fähren und so kommen wir schnell zur anderen Seite.

Mittlerweile wird es dunkel und so müssen wir uns ohne Tageslicht durch den verrückten Verkehr von La Paz schlängeln. Auf einem vierspurigen Highway bei circa 60 km/h zieht der Bulli rechts von mir auf einmal auf meine Spur, da eine Stoßstange auf seiner Fahrbahn liegt. Ich kann gerade noch so ausweichen und genau zwei Sekunden später, sehe ich auf einmal ein riesen Loch vor mir, ein rechteckiges Loch, 40cm x 80 cm, wo anscheinend die Abdeckung fehlt. Auch hier kann ich im letzten Moment ausweichen und Jesse, der hinter mir fährt mit einer Geste davor warnen. Unglaublich, dass sowas überhaupt existiert, ohne dass es direkt behoben wird! Hätte ich dem Loch nicht mehr ausweichen können, wäre das wohl das Ende meines Trips gewesen.

Unbeschadet schaffen wir es dann doch ins Stadtzentrum und checken in ein Hostel mit Innenhof für unsere Motorräder ein. Am nächsten Tag machen wir uns alle auf in die Stadt, um verschiedene Dinge für unsere Motorräder zu erledigen. Ich suche einen neuen Kettensatz, da ich denke, dass viele meiner Motorprobleme in Peru, auf die ungleichmäßig verschlissene Kette zurückzuführen sind. Im Ersatzteile-Viertel der Stadt gibt es einen Motorradshop, der alles bietet, was wir so brauchen. Doch fast 300€ für meinen Kettensatz ist mir etwas zu teuer. Ich fahre danach noch zu ein paar anderen Läden, doch werde nicht fündig. Ich beschließe nur eine neue Kette für 80€ zu kaufen und diese auf die alten Ritzel montieren zu lassen.

Als Jesse und ich jedoch aus dem Motorradshop kommen, ist an unseren Motorrädern eine Kralle montiert. Der Polizist steht noch daneben und erklärt uns, dass wir erst den Strafzettel in der nächsten Bank bezahlen müssen und dann die Kralle von ihm entfernt wird. Wir gehen also zur nächsten Bank, ziehen eine Nummer, warten, bezahlen unsere Strafe von je 6,50€ und suchen dann wieder den Polizisten mit unserer Quittung auf. Zumindest wissen wir, dass wir eine wirkliche Strafe bezahlt haben und keine Bestechung für den Polizisten.

Jesse und ich beenden danach unseren Tag mit einem Besuch im Kino, um „Avengers: Endgame“ zu schauen.

Und nach der zweiten Nacht fahren wir schon weiter. Jesse und ich waren am ersten Abend noch in einem Irish Pub, um Game of Thrones zu schauen und am ersten morgen in einem Café im Zentrum. Davon abgesehen, haben wir jedoch nicht viel von der Stadt gesehen. Aber ich glaube da ist niemand wirklich traurig drum. Wir möchten weiter nach Uyuni.

Peru 4 – Canyon, Kondore und Co.

Puno

Tag 325

KM 48107

Von Cuzco mache ich mich mit Jesse und Alex wieder auf die Reise. Der Tag beginnt jedoch nicht so gut. Wir halten außerhalb der Stadt an einer Tankstelle, um zu tanken. Jesse und Alex fahren zur ersten Tankstelle, ich nehme die Tankstelle 100m weiter. Als ich jedoch nach dem Tanken meinen Motor wieder anstelle, errege ich die Aufmerksamkeit von einem Streuner, der an der Tankstelle lebt. Ich fahre langsam von der Zapfsäule weg und beachte den Hund nicht wirklich, da diese ja meist nur hinter mir her rennen und bellen. Doch dieser schnappt doch tatsächlich nach meinem Bein und beißt mir in die Hose. Ich fahre davon und halte an der Straße. Der Hund hat doch tatsächlich die Haut an meinem Bein ein wenig gequetscht, jedoch keine offene Wunde hinterlassen. Es schmerzt und mein Mitgefühl für streunende Hunde ist auf einem allzeit Tief.

Wir fahren weiter zum Rainbow Mountain. Durch ein schönes Tal geht es zum Parkplatz, von dem aus es losgeht.

Wir kommen hier jedoch erst im 13:30 Uhr an und das Wetter in Richtung Rainbow Mountain sieht eher schlecht aus. Doch die Arbeiter am Eingang sagen uns, es wäre kein Problem und so gehen wir los. Es geht 5km von 4500m ü. NN auf 5061m ü. NN.

Der Weg ist so anstrengend, dass ich bereits daran zweifle, ob sich diese Tortur wirklich lohnt. Jesse und Alex gehen voraus, ich hänge etwas hinterher. Es wird immer schwieriger weiterzugehen, doch ich bin nun so weit gekommen, dass ich nicht aufgebe.

Auf dem Berg ist es extrem windig und wir werden zusätzlich von Schnee empfangen, der uns horizontal ins Gesicht peitscht. Es ist eiskalt und so machen wir nur kurz ein paar Fotos und machen uns dann wieder auf den Rückweg.

Diese Tortur war es für mich dann doch nicht wirklich wert. Wir hatten den Berg zwar fast für uns allein, da wir so spät losgegangen sind, doch die Aussicht wäre bei gutem Wetter wahrscheinlich wesentlich besser gewesen. Das Schöne an der Wanderung war eher die Landschaft auf dem Weg.

Wir fahren zurück ins nächste Dorf und checken in ein kleines Hotel ein. Wir essen im Hotel und nehmen das von den Besitzern so nett angebotene Meerscheinchen, spanisch: Cuy. Dazu gibt es wie so oft Kartoffeln, Maiskolben und Gemüse. Das Meerschweinchen wurde im Ganzen gegrillt und dann vor uns in mehrere Teile geschnitten und serviert. Wir probieren alle einmal und essen das, was wir als essbar ansehen. Aber an so einem Meerschweinchen ist wirklich nicht viel Fleisch dran und so bleibt das Meiste auf unseren Tellern liegen. Als die Besitzerin dann abräumen wollte, hat sie sich doch gewundert, dass wir Garnichts gegessen haben. Leider habe ich von dem Essen kein Foto gemacht.

Am nächsten Tag fahren wir weiter Richtung Colca Canyon und durchqueren wieder schöne Landschaften.

Wir übernachten in Chivay und fahren am nächsten Morgen zum Colca Canyon. Der Eintritt kostet hier 20€ und auf dem Weg sehen wir bereits unzählige Busse voller Touristen.

Hier im Canyon kann man, meist morgens zwischen 8 und 10 Uhr, Kondore beobachten. Wir kommen also um 8 Uhr am beliebtesten Aussichtspunkt „Cruz del Condor“ an und gesellen uns mit einem frisch aufgekochten Kaffee zu den Hundert anderen Touristen.

Bis 10 Uhr sehen wir jedoch nur zwei Kondore, die nach ein paar Sekunden wieder aus der Sicht verschwinden, aber zumindest die Aussicht in den Canyon ist wirklich super.

Wir bleiben jedoch noch länger. Die meisten Touristen verschwinden nach 10 Uhr und um 12 Uhr sind wir mit einer Hand voll anderen Reisenden alleine dort. Wir sehen noch ein paar mehr Kondore, sind aber immer noch nicht ganz zufrieden.

Wir fahren ins nächste Dorf und essen zu Mittag. Danach fahren wir wieder zum Canyon an einen anderen Aussichtspunkt, an dem ich vor unserer Abfahrt mehrere Kondore gesehen habe.

Dort sind wir die einzigen Besucher und können bereits die ersten Kondore über uns entdecken.

Nach einer halben Stunde fliegen dann auch die circa 15 Kondore los, die wir neben einem Hügel auf ein paar Steinen gesehen haben. Überall um uns herum und über uns fliegen Kondore. Teilweise fliegen sie nur ein paar Meter über unsere Köpfe und man kann ihre Flügel durch die Luft zischen hören. Ein unglaubliches Erlebnis!

Mittlerweile sind noch drei andere Personen mit uns dort. Wir hatten wirklich Glück, dass die Kondore am Nachmittag nochmal rausgekommen sind. Morgens war es wohl noch zu wolkig. Die Kondore so zu sehen, macht es den Eintrittspreis wirklich wert. Und es dann auch noch ohne hunderte andere Leute zu sehen, ist auch super. Da freue ich mich wieder, dass ich flexibel und selbstständig unterwegs bin, ohne auf die Zeitpläne von Bussen und Touren vertrauen zu müssen.

Wir bleiben noch einige Zeit und beobachten die Kondore, während Alex mit seiner guten Kamera die besten Schnappschüsse macht.

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Von Chivay fahren wir dann am nächsten Tag nach Arequipa. Der Weg führt uns erst in die Berge und später vorbei am Vulkan Chachani. Auf auf dem Weg können wir am Straßenrand auch ein paar Vikunjas sehen.

Genau als wir in Arequipa ankommen, merkt Alex, dass seine Frontgabel Öl verliert. Wir werden also morgen noch etwas länger hierbleiben. Wir gönnen uns abends in der Stadt leckeres mexikanisches Essen.

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Am nächsten Morgen macht sich Alex auf den Weg zu unterschiedlichen Shops und Werkstätten, um das geeignete Ersatzteil und einen Mechaniker zu finden, der die Reparatur durchführen kann. Jesse und ich gehe derweil auf dem Markt einkaufen und entspannen im Hostel.

Alex ist jedoch überraschend schnell fertig und so können wir kurz vor Mittag schon weiter. Wir fahren durch das Nationalreservat „Salinas y Aguada Blanca“. Feste Straßen existieren hier nicht, aber dafür schöne Natur, Seen und Flamingos.

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Danach fahren wir weiter und kommen an eine Stelle, an der sich zwischen den Steinen am Straßenrand Chinchilla verstecken.

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Mittlerweile ist es schon spät und wir müssen uns etwas beeilen. Wir wollten heute eigentlich an einem See übernachten, doch wir müssen noch ein Stopp im einzigen Dorf auf dem Weg machen, um Proviant für das Abendessen und das Frühstück zu besorgen.

Ich navigiere und fahre voraus auf den kleinen Dorfplatz, ich fahre natürlich so, dass wir einmal um den ganzen Platz fahren müssen, um zum einzigen Shop zu gelangen. Und natürlich ist auf dem Platz gerade eine Versammlung aller Dorfbewohner, die uns sehr verwundert nachschauen. Wir gehen in den Shop und kaufen Wasser, Gemüse und Nudeln. Alle Leute haben sich mittlerweile um unsere Motorräder versammelt und schauen gespannt zu was wir machen. Teilweise rufen die Kinder gemeinsam „Gringo, Gringo, Gringo, …“, was hier keinesfalls böse gemeint ist, sondern einfach das übliche Wort für Ausländer. Ein amüsanter Besuch und sehr freundliche Leute.

Die Sonne ist bereits untergegangen und so fahren wir nur ein paar Kilometer und schlagen unser Lager in einer Kurve auf einer Wiese auf. Wir bauen schnell unsere Zelte auf und fangen an zu kochen. Jeder macht seinen Teil und nach einer Weile haben wir wie immer eine leckere Suppe. Schon etwas komisch, aber das kochen in der Wildnis mit den simpelsten Zutaten und den kleinsten Töpfen gelingt immer. Das ist wohl das Erfolgsgefühl am Ende eines ereignisreichen Tages.

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Am Abend wird es schon kalt und wir bereiten uns auf eine kalte Nacht vor. Ich schlafe mit Mütze und lege weitere Klamotten in meinen Schlafsack für den Fall, dass mir kalt wird. Ich habe einen guten Schlafsack und eine gute Matratze, aber früh morgens ziehe ich mir trotzdem noch mehr an, da es etwas kalt ist. Vor Sonnenaufgang stehe ich kurz auf, um an meinem Motorrad die Temperatur zu checken. Es ist -6,5°C und das ganze Motorrad und Zelt ist mit Frost überzogen.

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Später im Hellen
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Jesse’s Koffer

Wir warten bis die Sonne aufgeht und es wärmer wird. Zum Frühstück gibt es Kaffee, Obst, Kekse und Porridge. In der Sonne ist es dann auch schon wieder warm. Wir packen unsere Sachen, nachdem sie in der Sonne aufgetaut und getrocknet sind.

Nach knapp einer Stunde kommen wir an dem See an, an dem wir eigentlich übernachten wollten. Wir sind jedoch froh, dass wir es nicht gemacht haben, da es hier keine guten Stellen zum Zelten gibt.

Weiter geht es zurück in die Zivilisation nach Santa Lucia für ein paar Snacks und Benzin und dann nach Sillustani.

Sillustani ist eine archäologische Stätte mit zwölf Türmen, Chullpas genannt, die als Grabstätte dienten und vor der Zeit der Inka erbaut wurden.

Wir erkunden das Gebiet selbstständig und fahren dann nach Puno am Titicacasee, wo wir mit unseren Motorrädern in ein Hotel einchecken.

Wir verbringen den Abend in der Stadt, gehen essen und fahren am nächsten Tag an die Grenze zu Bolivien.

Vier Wochen in Peru waren wirklich ereignisreich und unvergesslich. Das perfekte Land für Touren durch schöne Landschaften und erstaunliche Berge. Definitiv einen weiteren Besuch wert!

Peru 3 – Auf nach Cuzco

Tag 317

Cuzco

KM 47042

Nach dem Stadtverkehr von Lima geht es für mich durch sehr trockene und nicht wirklich interessante Landschaft. Ich habe mir eine Strecke rausgesucht, auf der so gut wie kein Verkehr herrscht und auf Google Maps teilweise nicht einmal als Straße eingetragen ist (-12.089064,-76.138566).

Der Start ist sehr staubig und warm. Die einzigen Fahrzeuge auf der Straße sind ein paar Trucks.

Nach ein paar Stunden geht es hinauf in die Berge und nur langsam wird es weniger warm und weniger karg. Mein Motorrad macht jedoch auf einmal ziemliche Probleme. Der Motor verliert an Leistung und nimmt kein Gas mehr an. Teilweise nur für wenige Sekunden, doch dann immer öfter, so lange, dass der Motor aus geht. Ich kann das Motorrad wieder normal starten, doch dann habe ich das gleiche Problem wenige Minuten später, ohne ersichtlichen Grund. Ich vermute, dass es am Luftfilter liegt und der Motor wohl nicht genug Luft bekommt. Also halte ich an einer geeigneten Stelle an und mache mich daran an den Luftfilter zu gelangen. Aber natürlich habe ich das Bit, für die zwei speziellen Schrauben, die meinen Tankrucksack halten, verloren. Also hole ich mein Metallsägeblatt heraus und säge einen Schlitz in die Imbus-Schraube, bis ich sie mit meinem Schlitzschraubendreher herausschrauben kann. Es dauert ein wenig, aber es funktioniert sehr gut.

Ich setze den Ersatz-Luftfilter ein, den ich glücklicherweise im Gepäck habe, und kann ohne Probleme weiterfahren. In dieser Gegend gibt es keine Einträge für geeignete Wild Camping Plätze auf iOverlander und so muss ich mir selbst einen Platz suchen.

Ich fahre immer weiter auf der Suche nach einem guten Platz, doch als die Sonne untergeht, muss ich mir mit einem Platz am Rande der Straße zufriedengeben. Ich kann bei meiner Ankunft im Dunkeln noch einen Hund in der Nähe bellen hören und weiß, dass ich dort nicht ganz allein bin.

Ich schlafe ohne Probleme und bemerke keine Autos oder Motorräder, die an meinem Zelt vorbeifahren. Erst früh morgens kommen ein paar lokale Motorradfahrer an mir vorbei. Auch bemerke ich den lokalen Anwohner mit seinem Hund. Ich grüße ihn von Weitem und er kommt zu mir. Ich gebe ihm ein Stück von meinem Apfel und unterhalte mich freundlich mit ihm. Er ist Hirte und lebt allein in einer kleinen Hütte hier im Tal. Nach unserer kurzen Unterhaltung geht er wieder, ich packe meine Sachen und mache mich wieder auf den Weg.

Ich fahre über schöne Strecken und kann schneebedeckte Berge in der Ferne bewundern. Nach einem extrem schönen Tal mit tausenden Wasserfällen brauche ich dann aber so langsam wieder Benzin.

Und zum ersten Mal auf meiner Reise finde ich keine normale Tankstelle und muss Benzin von einem kleinen Kiosk kaufen. Hier gibt es in einem Nebenraum mehrere Fässer mit unterschiedlichen Qualitäten an Sprit. Ich nehme drei Gallonen Benzin mit 90 Oktan und darf meinen Tank selbst mit der bereitgestellten Gießkanne befüllen. Besser als nichts und ich kann mit ruhigem Gewissen weiterfahren.

Ich fahre weiter durch den ziemlich coolen Uchco Canyon. Auch wenn der wirklich schöne Teil nur einen Kilometer lang ist, ist der Rest der Strecke dennoch sehr gut zum Motorradfahren.

Danach öffnet sich die Landschaft wieder auf, bis ich zu meinem Campingplatz komme. Heute habe ich extra früh angehalten, damit ich nicht wieder im Dunkeln fahren muss. Ich habe Zeit mein Zelt in Ruhe aufzubauen, über meinen Weg nach Cuzco und danach nachzudenken, meinen Kocher zu reinigen und mit der Familie zu reden, die ein wenig später mit ihrem Wohnmobil auf dem Campingplatz ankommt. Andrea und Dominik kommen aus der Schweiz und sind mit ihren beiden Kindern seit sieben Monaten in ganz Südamerika unterwegs. Sie fahren weiter nach Norden und zeigen ihren Kindern etwas von der Welt, bevor der älteste Sohn im Herbst in die Schule muss.

Am nächsten Tag bekomme ich noch Tipps für Bolivien und eine Landkarte. Ich gebe ihnen die Münzen aus Bolivien, die ich nicht mehr benötige und fahre dann weiter nach Huancayo. Ich mache Mittag in einer Mall, um wieder Internet zu haben, bevor ich über ziemlich unspektakuläre Straßen bis nach Izcuchaca fahre. Ich checke in ein Hotel ein und bekomme was für meine 15€. Ein Zimmer mit einer Deckenhöhe von 1,8m, ein durchgelegenes Bett, einen Stuhl und hunderte Mücken im Flur, die durch alle Fugen der Tür und der Holzwand ins Zimmer kommen. Aber es gibt WiFi und so kann ich die neue Episode von Game Of Thrones online schauen.

Von hier geht es weiter nach Ayacucho. Wieder einmal durch schöne Landschaften und über großartige Straßen. In den Bergen von Peru kann man bei der Streckenwahl nicht viel falsch machen. Immer wieder gibt es etwas Schönes zu sehen.

In Ayacucho nehme ich mir wieder ein kleines Hotelzimmer. Es ist der Anfang der Osterwoche und hier in der Stadt finden so einige Ostervorbereitungen und Festivitäten statt. Besonders zum Osterwochenende ist Ayacucho ein sehr beliebter Ort unter den Peruanern.

Ich gehe in die Stadt und werde direkt von vielen Essenständen überrascht. Aber vor allem die aufwändigen Blumenbilder rund um den Plaza erstaunen mich. Es gibt mehrere große Bilder, erstellt von den Studenten der Fachhochschule oder so etwas ähnlichem. Hier auf dem Platz gibt es auch traditionell, handgemachtes Eis. Noch flüssiges Karamell-Eis wird in einem Topf in ein Eisbad gestellt und der Topf schnell gedreht, damit das Eis sich an der Wand des Topfes bildet. Das Eis wird dann abgeschabt und in einem Becher serviert. Es hat eine etwas andere Konsistenz, ist aber lecker.

Am nächsten Tag habe ich mir vorgenommen mein Motorrad zu untersuchen, gestern hatte ich wieder Probleme mit dem Motor, zufälliger Leistungsverlust. Ich gehe zuerst auf dem Markt frühstücken und dann zu unterschiedlichen Läden, um Werkzeug zu kaufen, um die Zündkerzen und eine Abdeckung der Benzinpumpe zu entfernen. Nach ein paar unterschiedlichen Shops finde die Notwendigen Werkzeuge.

Direkt vor dem Hotel, das in einer Seitengasse liegt, kann ich an meinem Motorrad arbeiten. Ich untersuche die Leitungen der Benzinpumpe und die Stecker, bis auf ein etwas eingeklemmtes Kabel ist hier aber alles in Ordnung. Danach schaue ich nach den Zündkerzen. Die Liegen versteckt unter der Batterie und der Luftfilter Box. Sie sind nicht so einfach zu erreichen, aber ich kann sie entfernen und gehe dann auf die Suche nach neuen Zündkerzen.

Die Alten sind erst 20.000 km alt und sehen noch recht gut aus, auswechseln werde ich sie trotzdem, sie sind jetzt eh schon draußen und neue sind nicht so teuer. In der Stadt finde ich ebenfalls die richtigen Zündkerzen baue sie ein und mache eine kleine Testfahrt. Es scheint alles in Ordnung zu sein, doch ob es nun wirklich besser ist, werde ich wohl erst auf einer längeren Fahrt merken.

Abends gehe ich wieder in die Stadt und bin extrem überrascht, als ich am Plaza ankomme. Die Blumenbilder von gestern wurden entfernt und durch neue Bilder ersetzt. Dieses Mal hat die Justizschule oder Auszubildenden die Bilder rund um den Platz gelegt.

Ich gehe weiter durch die Stadt und finde einen Innenhof, in dem Tänze aufgeführt werden, zu teilweise seeehr seltsamer Musik, zu der mehr geschrien wird, als gesungen.

Danach stoße ich noch auf eine Prozession durch die Stadt. Dutzende Leute tragen einen riesigen Altar durch die Straßen und den Gesichtern von allen Trägern zu urteilen, ist dieser extrem schwer. Auf dem Plaza treffe ich dann noch auf eine weitere Prozession.

Es scheint so, als wäre in der ganzen Stadt etwas los. Als ich heute an meinem Motorrad gearbeitet habe, kam jede halbe Stunde jemand vorbei und hat nach Zimmern und den Preisen für das Wochenende gefragt. Die Antwort war immer 53€ für ein Doppelzimmer pro Nacht. Ich zahle zurzeit nur 13€ pro Nacht, müsste aber bei jeder weiteren Nacht ebenfalls 53€ bezahlen. Also checke ich aus und fahre weiter Richtung Cuzco.

Ich reinige meine Kette, öle sie und stelle die Spannung wieder korrekt ein. Das muss ich mittlerweile immer öfter machen. Über eine schlechte und steile Straße geht es in die Berge, danach ist die Straße wieder besser, das Wetter ist ebenfalls gut, es bleibt warm und ich fahre weiter durch super Landschaften. Nach einem günstigen, lokalen Mittagessen geht es weiter über gute Straßen, die teilweise jedoch unterbrochen und unbefestigt ist. Ich finde eine wildcamping Möglichkeit zwischen ein paar verlassenen Hütten.

Am Morgen regnet es und ich warte weiter im Zelt bis es aufhört. Ich starte erst um 10 Uhr, komme jedoch nach nur 8 Kilometer in einen Stau. In einer Kurve hat eine Schlammlawine die Straße weggespült (-12.783897,-73.404271). Bei meiner Ankunft werde ich natürlich direkt von allen Wartenden empfangen, die interessiert Fragen stellen. Sie sagen mir, dass sie auf den Arbeiter warten, der den Bulldozer bedient, der schon an der Straße bereitsteht. Es kommt also wohl öfters vor, dass die Straße hier blockiert wird. Wir warten eine Stunde bis der Weg wieder frei ist. Kaum ist der Bulldozer einmal über die Stelle gefahren, fahren die Autos bereits durch den circa 30 cm tiefen Bach, der immer noch über die Straße fließt, ich natürlich direkt hinterher.

Auf dem weiteren Weg kommt es immer wieder vor, dass der Asphalt in einer Kurve unterbrochen ist, an der ein kleiner Bach über die Straße fließt. Die meisten Stellen sind betoniert, doch einige bestehen nur aus Kies und sind manchmal auch recht tief.

Später wird die Straße besser und noch kurviger, aber schmal und direkt am Straßenrand wächst Schilf. Die Strecke macht aber extrem Spaß, ich fahre etwas schneller und komme in den Rechtskurven mit dem Kopf ins Schilf. Aber ich muss so weit wie möglich rechts fahren, damit ich nicht in die Trucks hineinfahre, die mir entgegenkommen. Ich bin voll konzentriert und bin ziemlich erschöpft, als ich in Santa Maria ankomme. Ich nehme mir ein kleines Hotel und darf mein Motorrad im Hotel an der Rezeption parken.

Am nächsten Tag möchte ich die Ruinen von Ollantaytambo besuchen, die ich vor drei Jahren nicht besucht hatte. Doch bei der Ankunft an der Stätte erfahre ich, dass der Eintritt 35€ kostet. Es gibt kein Einzelticket für Ollantaytambo, sondern nur für das ganze Heilige Tal der Inka, was Machu Picchu einschließt. Da ich jedoch Machu Picchu und andere Stätten nicht besuchen möchte, ist mir das Ticket zu teuer und ich fahre weiter nach Cuzco und treffe mich wieder mit Alex und Jesse.

Alex und Jesse haben sich ein AirBnB gemietet, mir ist es jedoch zu teuer und so komme ich etwas außerhalb der Stadt auf einem Campingplatz unter. Hier treffe ich doch tatsächlich den Franzosen wieder, den ich vor über zwei Monaten beim Zoll in Panama City getroffen habe. Wir tauschen uns etwas aus, er lässt seinen Truck nun erstmal in Cuzco, fliegt nach Hause, besucht seine Kinder und kommt dann im Frühling wieder, um weiter nach Süden zu fahren.

Am nächsten Morgen wollen Alex, Jesse und ich in die Archäologische Stätte Saqsaywaman, doch hier kostet ein Ticket ebenfalls 30€, ist aber in dem Ticket des Heiligen Tals bereits enthalten, was Alex und Jesse haben. Sie gehen also ohne mich und ich gehe über etliche Treppen auf einen Hügel über der Stadt. Ich ruhe mich am Fuße der Jesus-Statue aus und beobachte die deutsche Reisegruppe, die ebenfalls dort ist. Der Unterschied zu meiner Reise ist immens und ich bin froh, dass ich mein eigenes Ding durchziehe. Danach treffe ich mich wieder mit Alex und Jesse und wir gehen ein wenig durch die Stadt.

Abends gehen wir in eine Bar und treffen uns wieder mit Jörn, der nach Ica noch allein nach Nazca und dann erst nach Cuzco gefahren ist. Hier läuft die zweite Folge der neuen Game Of Thrones Staffel, die ich natürlich begeistert verfolge.

Und das war dann auch schon Cuzco. So wie in Lima bleibe ich nur kurz und fahre nach drei Nächten zusammen mit Alex und Jesse wieder weiter.

Peru 2 – Roads less traveled

Tag 309

Lima

KM 45687

Von Huaraz haben wir uns am Morgen wieder auf den Weg gemacht. Dieser führte uns weiter durch die Berge, über kurvige Straßen und vorbei an einer großen Jesus-Statue.

In Chavin haben wir eine schöne Mittagspause in einem Restaurant gemacht, in dem wir mal wieder ein kleines Spektakel waren, da sonst nur lokale Leute zu Besuch kommen. Nach dem leckeren Essen ging es zu den Ruinen von Chavin. Eine Prä-Inka Stätte, die von den Chavin erbaut wurde. Es gibt einige überirdische Ruinen, aber auch Tunnel unter den Gebäuden, in denen ebenfalls Zeremonien durchgeführt wurden. In einem Bereich gibt es einen erstaunlichen Obelisken, Fotos waren dort jedoch nicht erlaubt.

Auf der Anlage waren ebenfalls ein paar Alpakas, mit denen wir uns etwas belustigt haben.

Eigentlich schon etwas spät fahren wir um halb vier weiter. Wir haben noch einiges an Strecke vor uns, bis wir an unser geplantes Ziel kommen. Von der Hauptstraße fahren wir auf eine unbefestigte Nebenstraße vorbei an einem großen Tagebau. Mir war schon vorher klar, dass wir es im Hellen nicht mehr zu unserem Ziel schaffen. Ohne Alternative fahren wir also über eine Stunde im Dunkeln. Glücklicherweise war die Straße in einem guten Zustand und wir sind sicher in Huallanca angekommen.

Am nächsten Tag fahren wir wieder durch schöne Gebiete in den Bergen.

Besonders, als wir in einem großflächigen Tal auf die Berge zu fahren, freuen wir uns, was uns bevorsteht. Wir kommen den Bergen immer näher und sehen vor uns, wo uns die Straße hinführt.

Besonders erstaunt sind wir, als wir nach kurzer Zeit an der Lagune Lauricocha ankommen. Man hat eine unglaubliche Aussicht und so halten wir fast alle 10 Minuten für Fotos.

An der Lagune vorbei fahren wir weiter in die Berge bis wir zu ein paar stehenden Trucks kommen. Zuerst denken wir, dass eine Schlammlawine den Weg versperrt hat. Doch als wir nachschauen, sehen wir, dass einer der Trucks einen Motorschaden hat. Dahinter warten bereits fünf weitere Trucks, die auf der einspurigen Straße nicht an dem defekten Truck vorbei kommen. Auch wir kommen mit unserem Motorrad nicht an den Trucks vorbei und so wägen wir unsere Optionen ab, da es bereits fünf Uhr ist. Die letzte Campingmöglichkeit liegt circa 2 Stunden zurück, an der Laguna Lauricocha: zu weit. Unser Ziel liegt nur 25 Kilometer an den LKWs vorbei. Die Arbeiter sagen, es dauert nur 15 Minuten, bis sie den Truck repariert haben. Doch darauf können wir uns nicht verlassen und so entscheiden wir uns, die Motorräder an den Trucks vorbei zu quetschen.

Wir nehmen unsere Koffer ab und beginnen mit Alex’s KTM. Er sitzt auf dem Motorrad, wir stabilisieren von hinten und navigieren das Motorrad zuerst am Berg entlang durch einen kleinen Graben und müssen dann die Seite wechseln, um am letzten Truck vorbei zu kommen. Am Abhang mit einer Lücke in der Sand-Absperrung führen wir das Motorrad vor den liegengebliebenen LKW. Das gleiche wiederholen wir mit meinem Motorrad und danach mit Jesse’s Motorrad, ohne seine Koffer ab zu nehmen. Danach laufen wir die Strecke noch zwei Mal, um die Koffer rüber zu tragen und bringen sie dann wieder an den Motorrädern an. Das ganze mussten wir auf 4700m ü. NN bei 2°C und Nieselregen machen. Das ganze hat eine halbe Stunde gedauert und war extrem anstrengend. Zu der Zeit, als wir losgefahren sind, waren die Reparaturen natürlich noch nicht beendet.

Im Dunkeln kommen wir dann in Oyón an.

Von hier aus möchten Jesse und ich nach Lima fahren, um einige Besorgungen zu erledigen und wieder ins Warme zu kommen. Alex macht sich durch die Berge auf den Weg nach Cuzco und so verabschieden wir uns vorerst von Alex und fahren Richtung Küste.

Doch als wir einen Stop machen, damit ich meine Kettenspannung checken und korrigieren kann, sehen wir einen anderen Motorradreisenden auf uns zu kommen.

Jesse: Look there’s another motorcycle Traveller.

Ich scherzhaft: Maybe it’s Alex!

Wir beide bemerken die orange gefärbten Sturzbügel.

Beide: Wait a sec, that IS Alex!

Alex war auf dem Weg Richtung Cuzco, doch die Straße war von einer Schlammlawine versperrt und da es keine guten Alternativen gab, ist er umgedreht und mit uns nach Lima gefahren.

Auf der Fahrt fahren wir von 3600m ü. NN runter bis auf Meereshöhe in Lima. Die Landschaft wird immer karger und wärmer, bis wir nördlich von Lima wieder durch Hitze und Wüste fahren.

In Lima werden wir dann von der Polizei angehalten, da wir unerlaubt auf der Schnellstraße fahren, auf der Motorräder nicht erlaubt sind. Aber wir kommen mit einer Verwarnung davon und fahren weiter zu unserem Hostel mit großem und sicherem Parkplatz.

Dort treffen wir Jörn, einen weiteren Motorradfahrer aus Deutschland und verbingen Zeit im Hostel miteinander. Nach einer Motorradwäsche fahren Alex und ich einige Motorrad Shops ab. Wir brauchen beide einen neuen Hinterreifen. Alex benötigt zusätzlich noch neue Spiegel und muss sein Tacho reparieren, das nicht mehr die Geschwindigkeit anzeigt, da das Kabel zum Vorderrad gerissen ist. Nach einigen Shops finden wir geeignete Reifen und fahren damit zu einer KTM Werkstatt. Während die Mechaniker die Reifen wechseln, gehen wir essen und kommen dann zurück. Die Werkstatt war nicht ganz so günstig und beim Anbringen meines Hinterrads haben sie sogar einen Fehler gemacht, aber immerhin ist der Reifen korrekt angebracht und das Rad ausgewuchtet. Jesse nutzt die Zeit, um den Affenkopf, den wir in Bolivien zum Frühstück gegessen haben, abzukochen und mit Kabelbindern an seinem Motorrad zu befestigen. Ein perfekter Zusatz für die ungestümte Furiosa.

Wir genießen die Zeit in der Stadt und ich besuche noch eine alte Freundin, die ich vor drei Jahren in Lima getroffen habe. Sam ist Mit-Organisatorin einer Party namens Mundo Lingo. Hier kommen jede Woche Sprachenbegeisterte, -lerner und sonstige Interessierte in einer Bar zusammen, um sich auf unterscheidlichen Sprachen zu unterhalten. Dabei bekommt am Eingang jeder die Flaggen, der Sprachen, die er spricht, auf die Brust geklebt. So kann man immer auf Leute zu gehen und sie in der jeweiligen Sprache ansprechen. Ich habe mich dabei für Deutsch, amerikanisches Englisch, Spanisch (Peru), Französisch und spaßeshalber Russisch entschieden, auch wenn ich davon bereits das Meiste vergessen habe.

Als ich bei der Party ankam und meine Flaggen bekommen habe, konnte ich noch kurz mit Sam reden, bevor ich von drei jungen Peruanerinnen förmlich belagert wurde, da sie deutsch lernen und ihre Sprachkenntnisse testen und verbessern wollten. Zwischendurch kam noch ein Peruaner vorbei, der Russisch und Deutsch sprechen konnte, da er in beiden Ländern mehrere Jahre gelebt hat, und ein weiterer Peruaner, der nur über das Internet Italienisch und Deutsch gelernt hat. Bei seinen Sprachkenntnissen war ich wirklich erstaunt, da er wirklich sehr gut deutsch sprechen konnte, im Gegensatz zu den jungen Peruanerinnen, die teilweise noch auf A1 Niveau waren. Es war cool mit den Leuten zu sprechen und zu sehen, dass es hier ein paar Leute gibt, die sich für Deutsch interessieren und eigenständig die Sprache lernen. Ich habe hier jedoch nicht viel dazu gelernt, da wir hauptsächlich deutsch gesprochen haben.

Später am Abend sind Sam, ihr niederländischer Freund und ich aber noch zu ihr nach Hause gegangen und konnten uns ausgiebig darüber unterhalten, was wir in den letzten Jahren so gemacht und erlebt haben. Ein schöner Abend.

Und am nächsten Morgen packe ich schon wieder meine Sachen. Die meisten Sachen in Lima habe ich bereits vor drei Jahren gesehen und so verbringe ich nur die notwendige Zeit in der Stadt. Bei dieser Reise geht es darum die Orte zwischen den großen Städten zu sehen.

Jesse, Alex und Jörn, der andere Motorradfahrer den wir im Hostel getroffen haben, möchten in die Wüstenoase Huacachina bei Ica, doch ich war bereits dort und möchte wieder in die Berge und der Hitze entfliehen. So trennen sich unsere Wege beim Verlassen des Hostels, aber wir haben bereits geplant uns in Cuzco wiederzutreffen.